Andacht

Jahreslosung 2021

Ich grüße Sie herzlich mit der Jahreslosung für 2021 aus dem Lukasevangelium 6,36:

Jesus Christus spricht:
Seid barmherzig; wie auch euer Vater barmherzig ist!

Wenn ein neues Jahr beginnt, ist das wie bei einer Reise: Wir wissen nicht, was uns erwartet, wem wir begegnen und ob wir das Ziel erreichen. Nach 2020 kann es ja nur besser werden, oder? Natürlich haben wir Pläne, Vorstellungen und Wünsche, aber ob die sich erfüllen, werden wir sehen. Das Leben ist voller Abenteuer, unerwarteten Wendungen und unvorhersehbaren Dingen. Und manchmal passieren sie uns die Fehler: Dort sind wir falsch abgebogen, da haben wir uns anders entschieden, und immer wieder haben wir andere verletzt, übersehen, vergessen. Ein Glück, dass wir wissen, dass Gott, unser himmlischer Vater barmherzig ist. Es gehört zu seinem Wesen. Bei Gott finden wir Vergebung, Heilung und letztendlich Frieden mit unserem Leben.

Manchmal werden wir auf dem Weg durch unser Leben auch verletzt. Andere Menschen übersehen uns, meist unabsichtlich, manchmal aber auch vorsätzlich. Wie gehen wir mit solchen Erfahrungen um? Jesus beauftragt uns mit der diesjährigen Jahreslosung, es Gott gleich zu tun, nämlich barmherzig mit unseren Mitmenschen zu sein. Wir empfangen Vergebung, also vergeben wir auch. Gott sieht uns mit einem Herzen voller Erbarmen. So gehen wir auch wachsam unseren Lebensweg und lassen zu, dass so manches Schicksal anderer Menschen unser Herz berührt. Weil Gott uns liebt, können wir diese Liebe weitergeben. So wird das Jahr 2021 lebenswert.

In diesem Sinne­­­­ wünschen wir Ihnen ein gesegnetes neues Jahr, die Kirchenvorsteher, alle Mitarbeiter und
Ihr Pfarrer Hartmut Stief

Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet? (Römer 2, 4)

Ein geistliches Wort der Geistlichen-Gemeindeerneuerung (GGE) zur Corona-Krise

Die Welt im Krisenmodus
Seit Beginn des 21. Jahrhundert wird die Menschheit in kurzen Abständen immer wieder von neuen Krisen erschüttert (politische Krisen, Finanzkrise, Energiekrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise).
Die jüngste Pandemie-Krise stellt mit ihrem anhaltenden, weltweiten und umfassenden Auswirkungen auf alle Menschen und Systeme einen neuen Höhepunkt dar.
Unsere Welt befindet sich im Advent.

Corona als Seufzen
„Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt“ (Römer 8, 22)

Wir erkennen in der gegenwärtigen Pandemie einen Ausdruck der durch menschliche Schuld gestörten, beschädigten und auf Erlösung wartenden Schöpfung.

Corona als Heimsuchung
„Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Weg deiner Gerichte… Denn, wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.“ (Jesaja 26, 6-9)

Wir erkennen in der Pandemie und anderen Krisen eine Heimsuchung Gottes. Gott lässt eine Pandemie zu, um seine Menschheit zurück zur Ordnung und an sein Herz zu rufen. Eine Menschheit, die sich vielerorts von ihm entfernt hat, die seine Gebote und Ordnungen missachtet und seine Schöpfung zerstört. Gottes Gnade will aufrichten.

Corona als Enttäuschung
„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“ (Martin Luther)

Krisen prüfen die Standfestigkeit privater und gesellschaftlicher Fundamente. Die Pandemie legt offen, worauf wir Wert legen und worauf wir unsere Hoffnung setzen. Sie offenbart was letztendlich trägt und was im Ernstfall nicht standhält.
Vitaler Glaube und gesunde Gemeinden durchstehen aufgrund ihrer Verwurzelung in Jesus Christus und gelebter Spiritualität auch schwierige Zeiten. Sie gehen teilweise sogar gestärkt aus ihnen hervor.
Trügerische Götzen hingegen, vermeintliche Sicherheiten und menschliche Nebensächlichkeiten tragen nicht.

Irdisches Leben
Corona verdeutlicht, dass unsere Gesellschaft Themen wie Endlichkeit, Verwundbarkeit des Lebens, Krankheit, Leid, Sterben und Tod verdrängt hat. Frühere Generationen hatten ein vergleichsweises kurzes Leben. Danach kam die Ewigkeit bei Gott. Heute haben wir ein vergleichsweise langes Leben. Danach kommt aus der Sicht vieler Menschen nichts mehr. In der Folge muss der ungläubige Mensch der Moderne das irdische Leben lang erhalten und so viel wie möglich in ihm unterbringen.
Corona macht deutlich, dass wir uns unzureichend mit unserer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen.

Gesundheit
Die Corona-Maßnahmen verdeutlichen, dass unsere Gesellschaft Gesundheit vielfach auf „körperliche“ Gesundheit reduziert: Hauptsache gesund! Paradoxer Weise führen einige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausgerechnet bei Risikogruppen zu mehr Einsamkeit, Isolation und psychischen Schäden. Menschsein zeichnet jedoch eine Untrennbarkeit von Körper, Geist und Seele aus.

Kontrolle
Seit Jahrzehnten sind wir es gewohnt, vieles unter Kontrolle zu haben. Corona hat jedoch zu Kontrollverlust und in der Folge zu vermehrten Ängsten geführt. Gewohnte Sicherheiten sind erschüttert worden und Planungen erheblich durcheinander gekommen. Wer alles unter Kontrolle hat, braucht Gott nicht mehr. Dieses Lebensgefühl kannten frühere Generationen aufgrund vieler unkalkulierbarer Risiken nicht.
Wer Gott vertraut, ist unter allen Umständen geborgen – im Leben und im Sterben. Wir sind bei Gott sicher, inmitten einer unsicherer gewordenen Welt.

Egoismus
Corona hat deutlich gemacht, wie schwer es vielen Menschen fällt, eine Zeit lang freiwillig zum Schutz des Nächsten und zum Wohl des Ganzen auf gewohnte persönliche Freiheiten zu verzichten und zum Beispiel einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

CORONA ALS BEWÄHRUNGSPROBE
„Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5, 3-5)

Wir erkennen in der Pandemie einen Ruf Gottes in die Wüste und wollen uns ihm nicht entziehen. Er will uns in der Wüste begegnen. Die gewohnten und geliebten Formen insbesondere charismatischer Frömmigkeit (längere Lobpreiszeiten, Segnung unter Handauflegung, Abendmahlsfeier, Tagungen, Seminare und Konferenzen sowie intensiv gelebte Gemeinschaft) werden durch die gegenwärtigen Hygieneverordnungen teilweise unmöglich gemacht. Es gilt, neben den wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen die gegenwärtige Gesamtsituation aus Gottes Hand anzunehmen, sie nicht allzu schnell überspringen zu wollen. Gott mutet uns allen, auch seinem Volk, gerade jetzt eine möglicherweise länger andauernde „Wüstenerfahrung“ zu.

Die Wüste ist in der Bibel ein exemplarischer Ort sowohl für Abgeschiedenheit, der innigen Begegnung mit Gott und der Veränderung. In der Wüste erfolgt die Reduktion auf das Wesentliche, die Reinigung von Schuld und die Vorbereitung auf das Kommende

CORONA ALS CHANCE
„Siehe, wenn ich den Himmel verschließe, dass es nicht regnet, oder die Heuschrecken das Land fressen oder eine Pest unter mein Volk kommen lasse und dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“ (2 Chronik 7, 13-14)

Die gegenwärtige Pandemie kann sich von Fluch in Segen verwandeln, wenn wir uns vor Gott demütigen, von falschen Wegen umkehren und bereit sind, Wege zu beschreiten, die er uns weist.

DIE WIEDERENTDECKUNG GOTTES
Corona kann dazu führen, dass wir unser Geschaffensein auf Gott hin neu erkennen, ergreifen und leben. Das menschliche Geschöpf ist ohne Kontakt zu seinem Schöpfer bald erschöpft. Corona kann zu einer neuer Beachtung des ersten Gebotes führen: „Ich bin der Herr, dein Gott… du sollst keine anderen Götter haben!“ (5 Mose 5, 6-7).

DIE WIEDERENTDECKUNG DES GEBETS
Als Reaktion auf die gegenwärtige Krise hat sich eine Reihe von kreativen geistlichen Formaten entwickelt. Christen entdecken ihre Aufgabe, in besonderer Weise für Regierende und Betroffene zu beten und einen Lebensstil der Versöhnung zu leben. Insbesondere empfinden wir einen starken Ruf zum gemeinsamen Gebet aller Christen. Aktionen wie „Deutschland betet gemeinsam“ oder „Gemeinsam vor Pfingsten“ haben einen enormen Schub für die Einheit des Leibes Christi in unserem Land bewirkt.

NEUE FORMATE DER VERKÜNDIGUNG UND DES GEMEINDELEBENS
Die erste Verfolgung der Urgemeinde (vgl. Apg 8,1) führte zu einer lokalen Entgrenzung des Evangeliums. Das offenkundig Böse hatte mittelbar ein starkes Wachstum der christlichen Gemeinde weit über Jerusalem hinaus zur Folge. Mit Dankbarkeit nehmen wir wahr, dass viele Gemeinden durch die gegenwärtigen Corona-Beschränkungen dazu angeregt werden, innovative und kreative Formen der Verkündigung und des Gemeindelebens auszuprobieren. Das ist gut so! Menschen, die bisher an keiner kirchlichen Veranstaltung teilgenommen haben, können auf digitaler Weise mit dem Evangelium erreicht werden.

CORONA ALS GEFÄHRDUNG
„Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dies Volk Verschwörung nennt, und vor dem, was sie fürchten, fürchtet euch nicht und lasst euch nicht grauen, sondern heiligt ihn, den HERRN Zebaoth; den lasst eure Furcht und euren Schrecken sein.“ (Jesaja 8, 12-13)

Die Pandemie unserer Zeit und unser Umgang damit birgt zahlreiche Gefährdungen in sich, denen wir entschlossen im Geist der Wahrheit und der Liebe begegnen sollten.

GESETZLICHKEIT
So notwendig angemessene Hygieneregelungen und deren Einhaltung im Miteinander sind, so sehr stehen auch Leitungsgremien der Kirche in Gefahr, sich in endlosen Diskussionen um die richtige Auslegung und Anwendung von Verordnungen zu verzetteln. Manchmal verpassen wir darüber die eigentlichen geistlichen Herausforderungen der gegenwärtigen Pandemie.

ENTZWEIUNG
Gemeinden und christliche Gruppen stehen in Gefahr, sich im Blick auf die Deutung der Pandemie und dem angemessenen Umgang mit Corona zu zerstreiten. Extreme Ängste und extreme Verleugnung treten zuweilen totalitär und unversöhnlich auf und führen auch in Kirchgemeinde zu Spaltungen. Wir wollen als GGE dazu beitragen, dass in unserem Land und in unserer Kirche trotz unterschiedlicher Auffassungen und Einschätzungen eine Kultur des Miteinanders und der Versöhnung gelebt wird. Dabei vertrauen wir auf den Heiligen Geist als die Quelle der Liebe und der Wahrheit.

AKTIONISMUS
Wir stehen in Gefahr, die teure Gnade des überraschenden Sabbats zu verpassen durch fortgesetzten innerkirchlichen Aktionismus. Innovative und kreative Formen des Gemeindelebens und der Kommunikation in der Krise sind notwendig und bleiben es auch nach der Krise. Sie dürfen jedoch nicht zu einem fortgeführten kirchlichen Aktionismus führen, der sich durch Corona von der analogen lediglich auf die digitale Ebene verlagert.

VEREINZELUNG UND BLASENBILDUNG UNTER GLAUBENDEN
Aufgrund von Kontaktbeschränkungen und demzufolge zahlreichen digitalen geistlichen Angeboten besteht die Gefahr, dass Christen ihren Glauben noch mehr ins Private verlegen, noch mehr Konsumverhalten in der je eigenen Komfortzone praktizieren und nach der Pandemie nicht mehr den Weg zurück in die Gemeinde finden. Es besteht überdies die Gefahr, dass sich noch mehr Christen als bisher schon in jeweils eigenen digitalen Frömmigkeitsblasen zusammenfinden, sich gegenseitig bestätigen und dadurch zunehmend gemeinschaftsunfähiger werden. Sie verlieren die Anschlussfähigkeit an real existierende Ortsgemeinden mit all ihren Stärken und Schwächen und vermeiden die damit verbunden notwendigen Korrekturen der eigenen Frömmigkeit.

VERSTOCKUNG
Plagen, Nöte, Krisen und Katastrophen bewirken nicht automatisch, dass der Mensch von falschen Wegen umkehrt und neu auf Gott hört. Not lehrt nicht nur beten, sie kann zuweilen auch Verhärtung und Verstockung auslösen. In der Bibel gibt es eine Fülle von Hinweisen auf diese menschliche Tragik (von den Zeitgenossen Noahs bis zum Pharao, vom alttestamentlichen Volk Israel über die Zeitgenossen Jesu bis hin zum letzten Buch der Bibel). Menschen finden durch Widrigkeiten nicht automatisch zur Buße, sondern neigen primär dazu, trotz allem so weiter zu leben wie bisher, nur dass es noch mühsamer und noch anstrengender wird.

CORONA ALS RUF ZUM GEBET
„Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will mich erheben unter den Völkern, ich will mich erheben auf Erden.“ (Psalm 46, 11)

Wir erkennen in der gegenwärtigen Pandemie einen Ruf, dass sich das ganze Volk Gottes zu anhaltendem und gemeinsamem Gebet sammelt.

Gemeinsam

• demütigen wir uns unter die Hand des heiligen und liebenden Gottes
• ehren wir den Dreieinigen Gott in guten wie in schlechten Zeiten
• danken wir für ein hohes Maß an medizinischer und ökonomischer Versorgung
• beten wir für die Regierenden und alle verantwortlichen Akteure in der gegenwärtigen Krise
• beten wir für Erkrankte, Betroffene und wirtschaftlich in Not Geratene
• beten wir für den Frieden und Zusammenhalt in unserem Land
• beten wir um das Wunder der Buße, Erneuerung und Erweckung unter uns allen
• beten wir, dass Gott diese Plage von uns nimmt und unser Land heilt
„O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ (Jeremia 22, 29)

 

GGE Deutschland – Schlesierplatz 16 – 34346 Hann.Münden – Tel.: +49 5541 9546861 – – www.gge-deutschland.de
leicht geändert durch Hartmut Stief, Pfarrer