Andacht

Der Herbst ist da

Die Tage werden langsam wieder kürzer, die Nächte wieder kälter und in den Gärten leuchten die ersten Kürbisse. Es ist wohl soweit — der bunte Herbst kündigt sich an, während wir doch noch die letzten Sonnenstrahlen genießen. Ich liebe diese Jahreszeit – wenn wir uns den Schweiß der vergangenen Monate abwischen, frische Luft holen und draußen vor der Tür die Natur bestaunen, die sich in leuchtenden Farben wandelt. Wir sehen, wie sich die Blätter an den Bäumen langsam verfärben und wie auf den Feldern die letzte Ernte vor der Winterzeit eingebracht wird.

Die Menschen zur Zeit des Alten Testaments verknüpften die Ernte eng mit dem Segen Gottes. Eine reiche Ernte galt aber nicht nur als Segen, sondern war auch eine wichtige Lebensgrundlage, die Existenzen sicherte. Es gab schon im Judentum und auch schon im frühen Christentum Erntedankfeste, um an den Zusammenhang der Schöpfung Gottes mit den Menschen zu erinnern und Gott für seinen Segen zu danken. Dieses religiöse Grundbedürfnis drücken wir auch heute aus, wenn wir gemeinsam das Vaterunser beten: …unser tägliches Brot gib uns heute… Es sind also zwei Aspekte, auf die der Herbst uns mit seinen Farben immer wieder aufmerksam macht:

Erstens, Gott hat uns zu seinen Bewahrerinnen und Bewahrern der Schöpfung gemacht, und an diese Aufgabe wollen wir uns in der Herbstzeit, wenn die Natur sich laut und bunt meldet, erinnern. Das Erntedankfest Anfang Oktober gibt uns den Impuls dafür, uns die Achtung vor den Lebensmitteln zu bewahren. Die Schöpfung Gottes zu schützen, bedeutet auch, über unsere eigene Lebensweise nachzudenken und unser Handeln zu hinterfragen. Wie können wir nachhaltig leben? Worauf kommt es wirklich an? Was möchte Gott von uns? Wie werden wir dieser Aufgabe gerecht?

Zweitens, innezuhalten und Gott zu danken. Das tiefe Gefühl der Dankbarkeit gibt uns den Raum wahrzunehmen, woher all das kommt, was wir tagtäglich brauchen. Gottes Segen zu spüren und auf ihn zu vertrauen, kann uns bei der großen Aufgabe helfen. Zu leicht verlieren wir aus dem Blick, wie unsere Nahrung gesät wird, wächst und reif ist und dann verarbeitet wird, und doch ist es nicht anders als bei den Menschen vor Tausenden von Jahren: Die Ernte als Teil der Schöpfung ist auch unsere Existenz.
Gott dafür zu danken und es als Geschenk anzunehmen – dazu laden die kommenden Wochen mit ihren Festen und Veränderungen ein. So vielfältig wie wir Menschen sind, so bunt können wir unseren Dank ausdrücken: ob im Tanz, Gedicht, Gesang oder Bild, ob miteinander oder allein, ob direkt oder durch den Umgang mit unseren Nächsten und der Schöpfung. »Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.« (Kol 3,17)

Es grüßt sie herzlich,
Ihre Luise Maidowski · Praktikantin