Andacht

Darf ich Sie heute etwas Persönliches fragen? Beten Sie?

Für mich ist beten mehr, als sich Sorgen und Gedanken von der Seele reden. Es ist ein Gespräch mit dem lebendigen Gott. Aber da tut sich schon das erste Problem auf. Gott ist unsichtbar. Was hilft, an ihn zu denken? Manchmal stelle ich mir ein Kreuz vor oder den „guten Hirten“. Es ist schon verrückt, auch wenn ich nichts fühle, darf ich wissen, Gott hört mir zu.

Schnell komme ich zum Problem Num­mer zwei: Mit wem rede ich da eigent­lich? Gott hat die Erde geschaffen, jedes Atom; ja mehr noch, die Sonne, das ganze Weltall. Selbst die großen Politiker auf der Weltbühne sind nur Staub, ver­gänglich, sterblich, letztlich winzig im Vergleich zum Schöpfer und Richter des Universums. Mein Fazit: Respekt, Ehr­furcht, Aufmerksamkeit und Demut – all das ist höchst angemessen, wenn ich mit Gott rede. Aber Hand auf’s Herz, hat Gott nicht größere Probleme zu lösen, als die meines kleinen Lebens?
Ja, und dennoch: Gott will, dass ich ihm von mir erzähle.

Dieser große Gott will, dass ich mit ihm über mein Leben rede. Gott will, dass ich ihm vertraue. Es ist sein Herzens­wunsch. „Nenn mich Abba“, sagt Gott in der Bibel. „Ruf mich an, als einen Vater der nah, gütig und stark ist. Glaube mir, ich habe alles zwischen dir und mir wie­der gut gemacht.“

Und die Bibel ist mir voller Vorbilder. Der alte Abraham betet um einen Sohn, der stolze Josef betet im Gefängnis, der Mörder Mose betet am brennenden Dorn­busch, der Ehebrecher David betet um Erbarmen, Hiob, der arme Kerl, betet trotz allem Leid und ringt mit Gott, Jona flieht und betet sogar im Bauch eines Walfisches, Jeremia betet, weil ihm sein Amt zu schwer ist, Daniel betet in der Löwengrube im Angesicht des Todes, Petrus betet trotz Verrat, Thomas trotz Zweifel, Paulus trotz seiner christen­feindlichen Vergangenheit – sie alle beten, weil Gott, unser himmlischer Vater es will.

Beten auch Sie! Es lohnt sich.

Es grüßen Sie herzlich
die Kirchenvorsteher, alle Mitarbeiter und Ihr Pfarrer Hartmut Stief