Andacht

Wann beendet Gott die Pandemie denn endlich?

Es nimmt kein Ende. Woche für Woche werden wir mit neuen Ängsten und ungewohnten Gesetzlichkeiten konfrontiert. Unser Leben bleibt stark eingeschränkt. Eine Quarantäne fühlt sich bedrohlich eng an. Fehlende Nähe und Kontakte lassen die Sehnsucht ins Unermessliche wachsen. Da nur wenige Freizeitaktivitäten möglich sind, wird das Wochenende oft eintönig vor dem Fernseher verbracht. Nicht jeder hat gesunde Beziehungen um sich herum, entdeckt die Schöpfung Gottes neu oder genießt gar die Stille. Viele von uns haben mitgelitten, wenn es jemanden aus dem Bekanntenkreis erwischt hat. Ich habe schon mehrere an Corona Verstorbene zu Grabe getragen.
Besonders unangenehm ist die Angst. Angst, es könnte mich oder einen mir wertvollen Menschen erwischen. Angst vor dem Tod. Angst vor dem Alleinsein. Wie lang soll das noch so weitergehen? Die täglichen Nachrichten jedenfalls machen wenig Hoffnung, trösten nicht.

Das Leben ist verletzlich
Ja, Menschen werden ernsthaft krank und können sterben. Können wir das noch – sterben? Oder haben wir das verdrängt, verlernt? Im Grunde genommen müssen wir es doch alle! Wer bestimmt, wann das Leben genug ist und der Tod kommen darf? In unserer Gedanken-Welt gilt: Der Tod muss eine Ursache haben. Wir sterben immer an „irgendwas“. Wirklich?
Wenn das „Irgendetwas“ nicht definiert werden kann, dann verklagen die Menschen oft Ärzte, Krankenhäuser, … und am Ende Gott. Glauben Sie, dass Ihre Tage bei Gott gezählt sind, nicht bei irgendeiner „Ursache“, also einer Krankheit oder was auch immer?

Peter Strauch hat das schöne Lied geschrieben: „Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“ Steht Ihre Zeit in Gottes Händen oder in Corona-Händen? Wenn unser Ende kommt, ist also dann Corona die Ursache oder vielleicht Gottes Wille, Gottes Ratschluss, Gottes Vorhersehung?
Ja, mein Leben ist verletzlich, aber ich habe es Gott, dem Schöpfer, anvertraut. Er hat mein Leben in seiner Hand. Das macht mein Herz ruhig und nimmt mir die Angst.

Eine Gesellschaft ist verletzlich
Das wird plötzlich in vielen Bereichen offenbar. Ein Gesundheitssystem kann überfordert sein. Selbst die deutsche Wirtschaft hat Grenzen. Das Schulwesen wird nicht verlässlich angeboten. Politische Entscheidungen sind nicht immer zielführend, können fehlerhaft sein. Selbst erfahrene Politiker müssen dazulernen. Die persönlichen Einschränkungen in lebensrelevanten Bereichen wie Kontaktbeschränkungen, geschlossene Gastronomie und Kultureinrichtungen, fehlender Freizeitsport, … setzen auf Dauer ganz schön zu. Das spüren wir alle. Was ist richtig, was ist falsch? Was ist überzogen und was unnütz? Was ist zu zögerlich und inkonsequent? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Es lässt sich trefflich streiten. Jeder denkt und fühlt anders. Gerade die Uneinheitlichkeit der Meinungen, auch unter uns Christen, macht unsere ganze Hilflosigkeit deutlich.

Manche Menschen können für das Große und Ganze, für die Sicherheit einer ganzen Gesellschaft, mehr Opfer bringen als andere. Manche haben ein schwächeres Nervenkostüm. Sie halten lange Lockdown-Begrenzungen nicht gut aus. Manche finden einige Entscheidungen der gewählten Regierung falsch, gehen auf die Straße und machen ihrer Wut Luft.
Ja, eine Gesellschaft ist verletzlich. Deswegen hat Paulus geschrieben: „Betet für die Obrigkeit (1.Tim. 2,1-2)!“ Wir alle brauchen Gottes Hilfe, auch „die da oben“.

Der Pandemie etwas Positives abgewinnen

Ein Nachdenken oder gar ein Gespräch über dankbare Aspekte der zurückliegenden Zeit helfen, die Pandemie mal von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Ich begegne Menschen, die dankbar sind für zusätzlich gewonnene Zeit für ihre Familie, für persönliche Stille und Gebet, zum Bibel lesen, für intensive Gespräche. Sie genießen die spürbare Entschleunigung des sonst hektischen Alltags. Dadurch, dass es weniger Freizeitstress gibt, wächst das Gespür für Gottes Schöpfung und das wirklich Wichtige im Leben.
Bei manchen Menschen kochen innere Ungereimtheiten in Beziehungen und Persönlichkeit hoch. Diese „Wurzeldinge“ wollen bearbeitet werden. Es ist meine eigene Entscheidung: Packe ich die Dinge an? Suche ich das professionelle Gespräch? Wachse ich daran?
Nicht zu vergessen sind die interessanten Online-Angebote, die viele von uns entdeckt haben.

Wann beendet Gott die Pandemie nun endlich?

Die Pandemie lehrt uns: Wir haben die Welt nicht im Griff!
Sondern die Welt hat uns mit ihren Mächten und Kräften im Griff. Was haben wir schon diesem Virus entgegenzusetzen? Wir sind hilflos.
Unsere Welt ist nicht einfach nur die Erde, auf der wir leben. Die Welt ist das Zusammenspiel aller Kräfte, Mächte und Gewalten, auch derer, die wir nicht sehen, die wir nicht wahrhaben wollen, aber von denen die Bibel schreibt.
Genauso, wie das Virus, das wir mit bloßem Auge nicht sehen können, das von einigen wegdiskutiert wird, genauso theologisieren andere die Mächte aus ihrem Glaubensuniversum, von denen uns die Bibel berichtet. Es gibt einen Teufel. Und es gibt einen erbitterten Kampf in der unsichtbaren Welt, von dem wir nicht viel wissen und von dem wir nur einiges mitbekommen. Fakt ist, dass Jesus den Tod und auch den Teufel am Karfreitag schon besiegt hat, aber dass sie noch wirken dürfen, weil es der Mensch so will.

Gottes Wort redet von der „gefallenen Schöpfung“. Alles, auch wir selbst, sind mit hinein gerissen in den Strudel der Sünde und des Todes. Vieles auf dieser Erde ist bzw. lebt ohne Gott, vom Schöpfer getrennt. Die realen Folgen, wenn Menschen Gottes 10 Gebote missachten, erleben wir alle, mal auffällig dramatisch – mal weniger hart.

Wozu hätte der lebendige Gott in Jesus von Nazareth auch auf diese Erde kommen sollen und ein Mensch unter uns werden wollen, wenn doch alles in „bester Ordnung“ ist? Wozu ist Jesus am Kreuz gestorben und hat sich geopfert, wenn es nichts zu sühnen, nichts in Ordnung zu bringen gäbe? Jesus ist gekommen, um zu retten. Er ist in eine Welt gekommen, die verloren ist. Jesus ist Mensch geworden, um das Kranke zu heilen und das Verlorene zu retten.

Ist uns das noch bewusst? Oder besser: Ist das unserer Gesellschaft bewusst? Es geht bei Jesus und seinem Sterben am Kreuz um nichts Geringeres, als jeden von uns zu retten aus einer dem Gericht Gottes verfallenen Welt. Und dieses Sterben Jesu am Kreuz hat eine Kraft, die für jeden reicht, auch für Sie.
Kann es sein, dass Gott darauf wartet, dass der Mensch wieder mal nach oben schaut? Dass er wieder beten lernt?

Corona ist ein Ruf zur Buße

Buße bedeutet Umkehr. Das griechische Wort „metaneua“ meint eine 180 Grad Wende, eine neue Hinwendung zu Gott.
Das heißt: Wir sollen Gott um die Vergebung unserer Sünden bitten und ihm nachfolgen. Corona ist eine der Erinnerungen an die Hauptbotschaft von Jesus, die er als Allererstes verkündete, als er begann zu lehren: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Darum kehrt um zu Gott und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15)

Statt zu fragen: Wann nimmt Gott Corona endlich weg? Sollten wir uns lieber fragen: Bin ich schon zu Gott umgekehrt? Habe ich Gott um Vergebung meiner Fehler gebeten? Habe ich mich ihm schon mit meinem Leben anvertraut? Denn dann liegt mein Leben in seinen Händen und nicht in den Händen von Corona. Hans-Joachim Eckstein schreibt: „Mögen wir uns auch tausend Schritte von Gott weg entfernt haben, so bedarf es dank der Liebe Gottes nicht mehr als eines einzigen Schrittes, um zu ihm zurückzukehren.“

In alten Zeiten wurde bei großen Nöten von einer „Heimsuchung“ gesprochen. Das Wort ist heute weitgehend unbekannt und erst recht ungenutzt. Dabei steckt in diesem Wort alles drin, was in der Not helfen könnte: Gott sucht uns. Gott sucht die Menschen. Er sucht sie heim. Gott sucht seine geliebten Geschöpfe heim. „Komm nach Hause!“ sagt er. „Komm endlich nach Hause. Bei mir ist Friede und Geborgenheit, Leben und Hoffnung.“

Ich wünsche uns allen, dass wir diesem Ruf folgen. Ich wünsche uns, dass die Angebote unserer Gemeindearbeit Ihnen auf diesem Weg helfen.

Es grüßen Sie herzlich die Kirchenvorsteher, alle Mitarbeiter und Ihr Pfarrer Hartmut Stief

Osterbild von Simone Riedel